Im Blick der Öffentlichkeit

Wohn-Revolution auf dem Rothenberg

04.02.19
HNA

100 JAHRE BAUHAUS Beispiele aus Kassel

Vor 100 Jahren begannen die Planer der Bauhaus-Schule,ihre neue sachlichfunktionale Ästhetik auch in der Architektur populär zu machen. Wir stellen Beispiele aus Kassel vor.

VON AXEL SCHWARZ

Diese Helligkeit und dieses Raumgefühl! Was der Bauhaus-Architekt Otto Haesler um 1930 auf dem Rothenberg errichtete, war nicht weniger als eine Wohn-Revolution im Kassel der Zwischenkriegszeit. In neuartiger und günstiger Stahlskelett-Bauweise sind damals für die arbeitende Bevölkerung 216 Wohnungen entstanden. Eine davon hat die städtische Wohnbaugesellschaft GWG als Vorzeigestück im Zustand der Entstehungszeit erhalten.


Wer sich dort umschaut, staunt auf rund 80 Quadratmetern über eine Raumausnutzung, die in ihrer Rationalität schon genial zu nennen ist. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein für eine Arbeiterfamilie, die damals aus einer lichtlos-muffigen Behausung der rattenverseuchten Kasseler Altstadt dort einzog ? Für jedes Familienmitglied ein Bett, sogar Kinderzimmer, fließendes Wasser im eigenen Bad, Zentralheizung – das war purer Luxus und auch hygienisch ein Quantensprung. Ganz zu schweigen von den Ur-Einbauküchen und den Maschinen im zentralen Waschhaus
zur Freude der Hausfrau.

 

           
Revolutionärer Bau: Die Häuser der Rothenbergsiedlung in Rothenditmold werden unter Berücksichtigung heutiger Wohnanforderungen nach und nach in ihren Ursprungszustand versetzt. So werden die zugemauerten Loggien (zurückgesetzte offene Balkonnischen) wieder freigelegt. FOTO: ANDREAS FISCHER

„Das war schon revolutionär, was Haesler damals geboten hat“, sagt GWG-Chef Peter Ley. Das Bewusstsein für das einzigartige Bauhaus-Erbe sei erst mit Beginn des neuen Jahrtausends gewachsen: Damals stand ein Drittel der Wohnungen leer, die Siedlung galt als sozialer Brennpunkt. Die Gebäude waren mit zweifelhaften Modernisierungsversuchen verschlimmbessert worden und dennoch heruntergekommen – eine Abwärtsspirale.

Dann steuerte die GWG um, holte Bau-Experten und Denkmalschützer herbei und steckte im Lauf von zehn Jahren rund 10 Millionen Euro in die Häuser, um sie nach und nach wieder in den Ursprungszustand zu versetzen – unter Berücksichtigung heutiger Wohnanforderungen. Viele Haustüren präsentieren sich schon wieder im Bauhaus-Stil mit dünnen Stahlrahmen, die geriffeltes Glas einfassen. Und bei Mieterwechseln, so Ley, werden auch die von Otto Haesler geplanten, später zugemauerten Loggien wieder freigelegt.

              
Längst gibt es keinen Leerstand mehr, bei der GWG werden Wartelisten geführt. Auch etliche Architekturstudenten leben laut Peter Ley in der Bauhaussiedlung auf dem Rothenberg: „Die lieben das.“ Sachlichkeit Stahl, Glas und Holz: GWG-Chef Peter Ley in einem Treppenhaus der Haesler-Häuser. FOTO: AXEL SCHWARZ

STICHWORT

Bauhaus erneuerte Architektur und Ästhetik 1919 gründete der Architekt Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus. 1925 zog die Hochschule unter politischem Druck nach Dessau um, 1932 nach Berlin. Dort wurde sie kaum ein Jahr später von den Nazis geschlossen. Das Bauhaus revolutionierte Architektur und Ästhetik. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs sollte die neue Gestaltung alltäglicher Dinge einen modernen Menschen prägen. Maßgebend waren die Funktion, also Effizienz und Nützlichkeit, eines Produkts. Beispielhaft war auch die Verbindung von Handwerk und Kunst. dpa/epd





 
 

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