Im Blick der Öffentlichkeit

Rückenwind für engagierte Stadtteilarbeit

01.08.18
StadtZeit Kassel Magazin Nr. 87, August/September 2018

BETTENHAUSEN UND DER KASSELER OSTEN 2018
Stadtteilzentrum Agathof

    

Lange gewünscht, dann geplant und mit Hilfe eines Förderprogramms umfänglicher möglich als gedacht: die Sanierung und Modernisierung der Räumlichkeiten des Stadtteilzentrums Agathof.


Von Klaus Schaake

Bereits vor der Aufnahme Bettenhausens in das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ gab es von Seiten des Stadtteilzentrum Agathof e.V. bei der Stadt Kassel und der GWG Vorstöße für eine Ertüchtigung des altehrwürdigen Gebäudes aus dem Jahr 1894. Von Beginn an stießen diese auf offene Ohren und nachdem die Stadt Kassel mit ihrem „Entwicklungskonzept Kasseler Osten“ die Voraussetzungen für eine Förderung solcher Projekte in den Quartieren östlich der Fulda geschaffen hatte, konnten die ursprünglich angedachten Maßnahmen sogar etwas umfänglicher ausfallen.

Mit dem Ziel, diesen Netzwerkknotenpunkt in und für Bettenhausen für die Zukunft zu rüsten, gingen Nutzer und Bauherr an die Planungen und deren Umsetzung heran und brachten eine dem Denkmal gerechte Anmutung mit der Gebrauchstauglichkeit für die vielen Nutzer des Hauses in Einklang.

     
Feier im Garten des Stadtteilzentrums Agathof

     

Blick in den neu gestalteten Eingangsbereich

    
Blick in den großen Saal

     

Umbau bei laufendem Betrieb

Akustikdecke, Boden- und Wandbeläge, Elektroinstallationen, barrierefreie Eingangssituation, barrierefreie WC-Anlage, Faltwand, Küche, Einbauschränke, Türen, neue Möbel Beleuchtung, Sonnenschutz sowie eine zeitgemäße EDV- und Beschallungsanlage waren die wesentlichen Punkte auf der Umbau- und Modernisierungsagenda, die es in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz zu realisieren galt. Dass ein Altbau auch Herausforderungen bereithält, von denen in der Planungsphase höchstens zu ahnen war, sollte sich auch bei dieser Baustelle bewahrheiten. Der Boden des großen Saals musste in den Rohbauzustand versetzt und von ganz unten mit einer Ziegelelementdecke komplett neu aufgebaut werden.
Trotz des Umbaus zwischen Juni 2017 und Januar 2018 konnten die vielen Besucher ihr Stadtteilzentrum weiterhin in Beschlag nehmen. In Abstimmung mit dem Gehörlosen- und dem Ludwig-Noll-Verein, die einen Teil der oberen Geschosse nutzen, fanden sich Lösungen, nahezu alle Angebote im Haus konnten weiterhin stattfinden und die Nutzer erleben, wie „ihre“ Baustelle läuft. "Oh, Gott, da ist ja der ganze Fußboden bis aufs Erdreich raus“, entfuhr es so manchem, der seinen Kopf in die Tür des großen Saals steckte zu dieser „Operation am offenen Herzen“.

„Außergewöhnlich gute Zusammenarbeit“

Wer jetzt das Gebäude in der Agathofstraße 48 betritt, nimmt nicht Agathofstraße 48 betritt, nimmt nicht wahr, dass es im Erdgeschoss so aufwändig saniert und modernisiert wurde. Die schachbrettartig verlegten Fliesen im Eingangsbereich erscheinen so selbstverständlich, als hätten sie schon immer in diesem Baudenkmal gelegen. Diese Stimmigkeit ist Katharina Wernickes Raumkonzept zu verdanken, das sie im Auftrag der GWG und in enger Zusammenarbeit mit den Vertretern des Agathofvereins und der Denkmalpflege entwickelte.

Denn der Architektin war wichtig, den Charakter und den Charme des alten Schulhauses auch im Innern wieder sichtbar zu machen. Durch die Sanierungen der 1960er- und 1980er-Jahre war dieser inzwischen fast vollkommen verloren gegangen. Für alle Bauteile schlug Katharina Wernicke Materialien und Farben nach historischen Vorbildern vor, die denkmalgerecht und zugleich zeitgemäß sind. Architektin, Vertreter des Stadtteilzentrum Agathof e.V. und der GWG wählten dann gemeinsam aus. Für den Eingangsbereich fiel die Wahl auf Fliesen im historischen Format, in den ehemaligen Klassenräumen wurden Eichendielen verlegt. Trotz hoher Anforderungen an den Brandschutz ließen sich die Türen als Kassettentüren ausführen. Dezent farbig abgesetzte Sockelzonen, typisch schlichte, aber mit einem „Augenzwinkern“ überdimensionierte Lampenschirme aus Metall sorgen für eine heitere Atmosphäre im großen Saal. „Lange haben wir nach den richtigen Stühlen gesucht und wirklich viele Probe gesessen“, erinnert sich Katharina Wernicke. Schließlich fand sie zusammen mit ihren Baustellenpartnern ein Modell, welches das Konzept abrundete.

Weitere Wünsche und Ideen sind da

Für Joana Rudek, die als zuständige GWG-Architektin viel Zeit auf der Baustelle verbrachte, „war es toll und außergewöhnlich zu sehen, wie die Zusammenarbeit zwischen GWG als Bauherr, Stadt Kassel als Mieter und dem Agathof als Nutzer klappte und wir vor Ort gemeinsame Entscheidungen treffen konnten. Wir sind sehr froh, solche Nutzer zu haben, die das Haus mit Leben füllen.“ Ebenfalls froh – und auch stolz – sind die Mieter. Denn fast 60.000 Euro hat der Agathofverein selbst aus Rücklagen und Spenden in den Umbau investiert. Und Mitglieder wie Vorstand haben noch weitere Wünsche und Ideen für „ihr“ Haus, dessen Räume im Erdgeschoss jetzt so viel heller und freundlicher sind und nun jeden Mittwoch das Café Agathe beherbergen. Die Heizung, von der man zu Planungsbeginn dachte, sie würde noch eine Weile laufen, wird diesen Sommer erneuert und vom großen Saal wird bald eine Balkontür mit dazugehörigem Austritt einen direkten Zugang zum Garten herstellen.

Gunther Burfeind, Leiter des Stadtteilzentrums, sowie der Vorstand wünschen sich, nachdem Saal, Küche, Flur und Eingangsbereich barrierefrei sind, dass sich dies perspektivisch auf das gesamte Haus ausweitet. „Barrierefreiheit, Aussenraumgestaltung sowie die Renovierung der Agathof-Büroräume und die der zweiten Etage für den Gehörlosen-Verein stehen auf unserer Wunschliste ganz oben.“ Mit dem Ergebnis der aktuellen Modernisierung lässt es sich im Agathof, bis es damit soweit ist, sehr gut leben.

Standort: Agathofstraße 48, 34123 Kassel
Baujahr: 1894, Umbau: 2017
Bauherrin: GWG der Stadt Kassel mbH
Raumkonzept: Katharina Wernicke
Fotos: Klaus Schaake, GWG

Treffpunkt und Bildungsstätte

Das Stadtteilzentrum Agathof fördert Begegnungen und Kontakte, Eigeninitiative und gegenseitige Hilfe sowie das soziale und kulturelle Leben im Stadtteil. Das Stadtteilzentrum Agathof bietet unterschiedlichste Gruppenangebote, die vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte Möglichkeiten der Weiterbildung, Orientierung, Kultur, Geselligkeit und gesundheitlichen Prävention eröffnen. „Wir fördern Begegnungen und Kontakte, Eigeninitiative und gegenseitige Hilfe sowie das soziale und kulturelle Leben im Stadtteil und die Erhaltung der selbständigen Lebensführung im Alter“, fasst Rose Ostermann vom Vorstand des Stadtteilzentrum Agathof e.V. das Wirken des Vereins bzw. des Stadtteilzentrums zusammen, was sich über Bettenhausen hinaus auch an Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Kasseler Osten richtet.

Viele der im Agathof arbeitenden Gruppen organisieren sich selbst, zudem gibt es verschiedene Angebote, die von erfahrenen Kursleiterinnen und -leitern geleitet werden. „Wer seine Interessen, sein Wissen und sein Können gern mit anderen teilen möchte, der kann sich an das Agathof-Team wenden. Denn ‚Voneinander lernen‘ ist unser Slogan“, sagt Rose Ostermann. Die vielfältigen Angebote im Stadtteilzentrum bewegen sich in den Bereichen Begegnung, Bewegung, Kreativität, Kultur sowie neue Medien. Auch das neue Café Agathe ist dort beheimatet.

Lebensqualität und Teilhabe fördern

Kooperationspartner und Impulsgeber ist das Stadtteilzentrum in verschiedenen Projekten, in denen Mitmachende auch jederzeit willkommen sind.

 
 

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