Im Blick der Öffentlichkeit

GWG baut in Kassel über 170 Wohnungen

04.11.17
HNA

Wohnquartier in Bettenhausen soll 500 Menschen Platz bieten
VON JÖRG STEINBACH

KASSEL
. Aus einem ehemaligen Schulgelände im Stadtteil Bettenhausen wird das neue Wohnquartier Eichwald. Wo derzeit noch die 2016 geschlossene Joseph-von-Eichendorff-Schule steht, sollen künftig annähernd 500 Menschen wohnen, darunter 200 Kinder.  Denn „insbesondere Familien mit mehreren Kindern sollen dort ansprechenden Wohnraum finden“, sagt Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD).

In drei Jahren Bauzeit bis 2022 sollen auf dem 32 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Eichwaldstraße 127 Mietwohnungen und 45 Eigenheime entstehen. Für die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel ist es das größte Bauvorhaben der nächsten Jahre. Das Unternehmen wird annähernd 33 Millionen Euro investieren. Die Eigenheime sollen an Familien verkauft werden. Die Wohnungen bleiben im Eigentum der GWG und gehen in die Vermietung. Gebaut werde auch ein „angemessener Anteil“ an preisgünstigen Sozialwohnungen, sagt GWG-Chef Peter Ley. Die Preise werden zwischen 6,80 und acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche liegen. Baustart soll im Jahr 2019 sein, erklärt Ley. Man sehe das ehemalige Schulgrundstück als Chance, „um eine großartige Idee für zentrumsnahes Wohnen mit viel Grünraum zu verwirklichen.“ Gebaut wird nach den Plänen des Kasseler Architekturbüros Pape + Pape. Ulrike und Tore Pape waren im städtebaulichen Wettbewerb für das Eichwald-Quartier mit ihrem Entwurf gemeinsam mit Thomas Schüler (Architekten und Stadtplaner Düsseldorf) von der Jury mit dem ersten Platz unter acht teilnehmenden Büros ausgezeichnet worden.

Gebaut würden qualitätvolle und preisgerechte Wohnungen, sagt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Der Kasseler Osten werde durch das neue Wohnquartier deutlich gewinnen.

ZUM TAGE, SEITE 6

Aufschwung im Osten JÖRG STEINBACH über neue Wohnviertel

Dass die Joseph-von-Eichendorff-Schule mangels Nachfrage dichtgemacht wurde, war bitter für den Kasseler Osten. Doch jetzt wird die umstrittene Entscheidung zur großen Chance für Bettenhausen. Ein neues Wohnquartier im Grünen zwischen Eichwald und Losse wird den lange Zeit benachteiligten Stadtteil gehörig aufwerten.
Im Osten gibt es ein enormes Potenzial für die Stadtentwicklung und vor allem für den Wohnungsbau. Zwar ist und bleibt Bettenhausen ein für die Stadt wichtiger Gewerbestandort. Trotzdem finden sich wie jetzt am Eichwald attraktive Wohnbauflächen, die es locker mit den heiß begehrten, aber inzwischen richtig teuren Quartieren im Westen der Stadt aufnehmen können.

Wenn es zudem gelingt, auf dem Areal des Industriedenkmals Salzmann doch noch geplante 450 neue Wohnungen zu bauen, ist nicht bloß Bettenhausen fein raus. Die lange geschmähten Stadtviertel östlich der Fulda sind zum Wohnen gefragt wie nie. Das sieht man längst in der Unterneustadt, aber auch in Forstfeld und Waldau.
ach@hna.de

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Wird im kommenden Jahr abgerissen: Die 2016 geschlossene Joseph-von-Eichendorff-Schule an der Eichwaldstraße in Bettenhausen. Auf dem Areal soll das Wohnquartier Eichwald für 500 Menschen entstehen. Foto: Ludwig

Wohnen am Lossestrand
Künftiges Quartier auf dem Eichendorff-Schulgelände soll zum Vorbild werden
VON JÖRG STEINBACH

KASSEL. „Wir lassen uns nicht lumpen und legen die Latte hoch“, sagt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Auf dem ehemaligen Schulgrundstück am Eichwald im Stadtteil Bettenhausen soll ein besonderes Wohnquartier entstehen, ein Vorbild für die künftige Stadtentwicklung auch andernorts in Kassel. Dort wo jetzt noch die Joseph-von-Eichendorff-Schule steht, die im kommenden Jahr abgerissen werden soll, geht es nicht allein um gutes Wohnen für Familien mit viel Grün drumherum. Es geht auch um die zukunftsorientierte Energieversorgung der geplanten Mietshäuser und Eigenheime. Und es geht um neue Mobilitätskonzepte, zum Beispiel um das Carsharing von Elektroautos. Nach der Idee der Architekten und Wettbewerbsgewinner Ulrike und Tore Pape wird das neue Wohnviertel ein Zentrum bekommen. Das Herz des Quartiers schlägt neben der Olebachhalle. Die Sporthalle
wird für den Schul- und Vereinssport erhalten und bekommt einen Anbau. In diesem Quartierszentrum soll künftig auch eine Kindertagesstätte geschaffen werden.

Lockere Bebauung

Rund um den Quartiersplatz entstehen die drei- bis vierstöckigen Mietshäuser. Zu den Rändern des künftigen Eichwald-Quartiers hin wird die Bebauung kleinteiliger. Am Lossestrand im Bereich Vogelsang und zur Eichwaldstraße hin werden Reihenhäuser errichtet, die als Eigenheime verkauft werden sollen. Der Mix aus Ein- und Mehrfamilienhäusern in lockerer Bebauung hatte auch die Preisrichter des Realisierungswettbewerbs beeindruckt, die „hohe urbane und freiraumplanerische Qualitäten“ mit dem ersten Platz für den Entwurf würdigten. Durch die Verwendung von Ziegelsteinen für die Erdgeschosse und für das Stadtteilzentrum werde das Wohnquartier an die Ziegelgebäude des benachbarten Gewerbegebiets Kadruf angebunden und Wohnen am Eichwald

    
im Modell: Über die Pläne freuen sich (von links) GWG-Chef Peter Ley, Ulrike und Tore Pape sowie Kassels Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Foto: Koch

erhalte gleichzeitig eine eigene Identität. Insgesamt werden im Quartier 13 000 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen. Die 127 Mietwohnungen sind 45 (zwei Zimmer) bis 100 Quadratmeter (vier Zimmer) groß. Die 45 Eigenheime verfügen über Wohnflächen von 120 bis 140 Quadratmeter. Bettenhausens Ortsvorsteher Enrico Schäfer (SPD) freut sich über die Pläne für das neue Wohngebiet. Es sei gut, dass rasch gebaut werde und die alte Schule nicht lange Zeit stehen bleibe.

Der ursprünglich von der GWG geplante Neubau eines Flüchtlingswohnheims neben der Sporthalle ist mit den neuen Plänen endgültig vom Tisch. Weil sich der Flüchtlingzustrom verringert hat, werden die Plätze nicht mehr benötigt.

HINTERGRUND
Schulschließung im Sommer 2016

Die Joseph-von-Eichendorff-Schule in Bettenhausen wurde in den Sommerferien 2016 geschlossen – ein Jahr früher als geplant. Über Jahre stetig sinkende Schülerzahlen waren die Ursache für die umstrittene Schließung. Bereits seit 2004 galt die Gesamtschule wegen Schülermangels als gefährdet, 2008 drohte erstmals das konkrete Aus. Die Schule im Kasseler Osten hatte für ihre engagierte Arbeit zwar mehrere Auszeichnungen bekommen, kämpfte aber auch mit massiven Vorurteilen. Mit Schulsozialarbeit, Kooperation mit der Jugendhilfe und Ganztagsangebot samt Mensa wurde vielen Kindern und Eltern, die Probleme hatten, geholfen. Allerdings entschieden sich immer weniger Eltern für die problembeladene Bildungsstätte. Nach heftigen Protesten und einigem Hin und Her beschloss die Stadtverordnetenversammlung 2014 dann doch die endgültige Schließung der Schule im Jahr 2017. Ein wichtiger Grund dafür war auch, dass die dringend notwendige Sanierung der maroden Schulgebäude mindestens 15 Millionen Euro gekostet hätte. Soviel Geld wollte die Stadt dort nicht mehr einsetzen. (ach)

 
 

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