Im Blick der Öffentlichkeit

Flüchtlinge ziehen in Baumarkt

10.05.16
HNA

GWG hat ehemalige Massa-Immobilie am Ostring gekauft - Zweitunterkunft für vier Jahre geplant
HELGA KRISTINA KOTHE

WESERTOR. Der leer stehende Massa-Baumarkt am Ostring 61 hat einen neuen Eigentümer: Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel hat die Immobilie samt Grundstück erworben. Das Gebäude soll als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden.

Das gaben GWG-Geschäftsführer Peter Ley und Stadtkämmerer Christian Geselle (SPD) während einer Informationsveranstaltung im Stadtteilzentrum Wesertor bekannt. Im Schnitt wird sie laut Geselle mit 240 Flüchtlingen belegt sein, möglicherweise weniger.

Geplant sei der Einzug in die neue Zweitunterkunft zum 1. August. Vier Jahre werde sie als solche bestehen. Damit wolle man auch Reserveflächen schaffen. „Die Zahl der Stadt zugewiesener Flüchtlinge ist rückläufig. Die Entwicklung ist jedoch unklar. Wir wollen nicht mehr unter Druck stehen“, sagte Geselle. Vor dem Einzug muss noch umgebaut werden. „Unser Ziel ist eine angemessene, menschenwürdige Unterbringung“, sagte Ley. Eine kluge Aufteilung sehe zum Beispiel auch Rückzugsräume für Mütter mit Kindern und Ruhebedürftige vor. Ebenso setzt das GWG-Konzept auf eine professionelle Betreuung und nachhaltige Integration.

So wird sich neben der Caritas, die für die Sozialbetreuung verantwortlich ist, auch der Nachbarschaftshilfeverein piano in die Betreuung einbringen, unter anderem mit Alltagsbegleitern. Nur wenige Bürger äußerten Bedenken. Werner Reichmann vom Vorstand des benachbarten Kleingartenvereins Schützenplatz sagte: „Wir sind 80 Pächter und 80 besorgte Seelen, weil Schäden an Gärten und Lauben möglich sind. Wir wollen einen Ansprechpartner.“

Angebot an Kleingärtner

Diesen wird es laut Ley auch geben. Zudem habe auch die GWG kein Interesse daran, mit Straftaten in Verbindung gebracht zu werden und werde präventiv aktiv sein. Der GWG-Geschäftsführer machte den Kleingärtnern wie auch allen anderen ein Gesprächsangebot, um Wege des Kennenlernen und des aktiven Miteinanders zu forcieren: „Unser Ziel ist es, das Konfliktpotenzial so gering wie möglich zu halten.“ Dafür brauche es die Kommunikation und Kooperation mit Nachbarn, Vereinen und Ehrenamtlichen. „Wir wollen auch Angebote machen, die in die Unterkunft einladen“, stellte er klar. Man schotte sich nicht ab. Dass Bürger die Immobilie als Flüchtlingsunterkunft nicht als ideal ansehen, wurde an zwei Punkten deutlich: Zum einen bemängelten sie, dass es nur im Erdgeschoss ausreichend Tageslicht gebe, zum anderen die unmittelbare Nähe zu Institutionen wie der Moschee am Franzgraben. Beides könnte Konflikte schüren.

„Wir haben keine Klagen und Sorgen. Wir leben gut miteinander.“

ORTSVORSTEHERIN INGEBORG JORDAN

Ortsvorsteherin Ingeborg Jordan (SPD) unterstrich, dass der Stadtteil mit einem Ausländeranteil von 30 Prozent geübt sei in gelebter Integration: „Wir haben keine Klagen und Sorgen. Wir leben gut miteinander.“ Dennoch sollte man die Bürger nicht alleine lassen mit den Fragen, was sie beängstigt und was sie tun können. Armin Schreier (Grüne) vom Ortsbeirat ergänzte: „Grundsätzlich sind alle einverstanden, Flüchtlingen zu helfen, nur nicht vor ihrer Haustür. So sind wir im Wesertor nicht. Die Immobilie ist da, also sollte man sie auch nutzen.“

  


HINTERGRUND

Langfristige Pläne für Massa-Baumarkt

Seit mittlerweile 15 Jahren steht der ehemalige Massa- Baumarkt am Ostring 61 im Stadtteil Wesertor leer. Anfang des Monats hat die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GWG den Kaufvertrag dafür unter Dach und Fach gebracht. Für die kommenden vier Jahre soll das Gebäude, das über eine Nutzfläche von rund 7000 Quadratmetern auf zwei Etagen verfügt, zunächst als Zweitaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt werden. Sie bietet Platz für maximal 300 Menschen.

Einziehen werden laut Stadtkämmerer Christian Geselle (SPD) Asyl-Leistungsbezieher - das heißt, Menschen mit der Aussicht bleiben zu dürfen. Sie kämen hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan, Irak und Somalia. Für die Immobilie gibt es auch bereits Pläne für die Zeit danach: „Ein Bebauungsplan für das Gebiet befindet sich in der Aufstellung“, sagte Geselle. Wohnen und Gewerbe seien auf dem 10000 Quadratmeter großen Grundstück ebenso in der Diskussion wie eine Stadtbibliothek in Kooperation mit der Universität Kassel. (pke)

 

 
 

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