Im Blick der Öffentlichkeit

Das Schloss ist Baustelle

10.03.16
HNA

         

Bereits fertig saniert: Die Häuser 1 bis 11 der Heinrich-Steul-Siedlung im Stadtteil Forstfeld. Die städtische GWG investiert in die insgesamt 421 Wohnungen rund 30 Millionen Euro. Die Sanierungsarbeiten dauern noch bis 2019.

Die Heinrich-Steul-Siedlung im Stadtteil Forstfeld wird für 30 Millionen Euro saniert
VON JÖRG STEINBACH

FORSTFELD. Das Weiße Schloss soll schöner werden. Die Heinrich-Steul-Siedlung, die wegen der weißen Hausfassaden so genannt wird, ist seit zwei Jahren Baustelle. Jetzt ist der erste Sanierungsabschnitt der Häuser 1 bis 11 fast fertiggestellt. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel investiert in die insgesamt 421 Wohnungen annähernd 30 Millionen Euro. Das ist die bisher größte Investition in der Geschichte der GWG.

Die Fassaden der Häuser bekommen eine 16 Zentimeter starke Wärmedämmung, was die Heizkosten der Mieter um rund 60 Prozent verringern soll. Neue Fenster und neue Bäder werden eingebaut, 95 Prozent der Mieter entscheiden sich für eine bequem begehbare Dusche statt der bisherigen Badewanne. Neue Leitungen für Wasser und Abwasser, teilweise neue Elektroleitungen, neue Lüftungsschächte werden geschaffen. Es gibt neue Fahrstühle, die Eingangsbereiche und Treppenhäuser werden erneuert und die Außenanlagen neu gestaltet.

Nach der Sanierung kommen die meisten Mieter ohne Treppensteigen in ihre Wohnungen, die Siedlung ist dann weitgehend barrierefrei. Die GWG finanziert das alles mit den seit 2013 erhöhten Mieten in einem Drittel des gesamten Bestandes sowie einem Darlehen von rund zehn Millionen Euro, erklärt GWG Chef Peter Ley. Im zweiten Bauabschnitt, der im Frühjahr beginnen soll, geht es um die Häuser 13 bis 25. Dann folgen in Abschnitt drei die Häuser 27 bis 39. „Bis 2019 wollen wir fertig sein“, sagt Ley.

Die bisherige Kaltmiete von rund 3,90 pro Quadratmeter in der Steul-Siedlung wird sich laut Ley nach der Sanierung auf rund 4,90 erhöhen. Weil dann auch weniger Heizkosten anfallen würden, bleibe die Miete günstig. In der Siedlung gibt es Wohnungen mit zwei (56 Quadratmeter), drei (72 bis 74 Quadratmeter) und vier Zimmern (86 Quadratmeter groß).

Die lange Bauzeit habe zwar manchen Mieter genervt, sagt Forstfelds ehemalige Ortsvorsteherin Hannelore Diederich, die in der Siedlung wohnt. Mit dem Ergebnis der nach der Sanierung schmucken Häuser seien aber die meisten Mieter zufrieden. Im Haus Nummer 9 ist der neue, mit 160 Quadratmetern Fläche großzügige Stadtteiltreffpunkt der GWG entstanden.

Im selben Haus gibt es auch eine komplett barrierefreie Pflegewohnung mit Pflegeangebot, die bis zu drei Monate von Menschen genutzt werden kann, die etwa nach einem Krankenhausaufenthalt eine andere, barrierefreie Wohnung finden oder ihre bisherige Wohnung umbauen lassen müssen.

Die GWG kooperiert mit dem Nachbarschaftsverein Piano und fünf Pflegediensten, um für hilfsbedürftige Mieter Pflegeleistungen anbieten zu können. Damit soll ermöglicht werden, dass so viele Mieter wie möglich bis ins hohe Alter in ihren Wohnungen bleiben können.

Hintergrund

Von den Baracken des Lettenlagers zum Weißen Schloss

Die Flachbauten am Forstbachweg, einst Werkswohnungen für Fremdarbeiter, wurden von den Nazis für die Unterbringung von Zwangsarbeitern aus Lettland genutzt. Im „Lettenlager“, wie es im Volksmund hieß, lebten nach dem Zweiten Weltkrieg Obdachlose, Arbeitslose und mittellose Großfamilien unter erbärmlichen Zuständen zwischen Müllbergen und Ratten. Ab 1971 wurde das Elendsviertel von der Stadt geräumt, die Menschen in ordentliche Altbauwohnungen umgesiedelt. Die Baracken wurden abgerissen, die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel baute auf der 65 000 Quadratmeter großen Fläche für umgerechnet 24 Millionen Euro 400 Sozialwohnungen in bis zu 14 Stockwerken hohen Gebäuden. Die nach dem Kasseler Diplom-Handelslehrer Heinrich Steul (1899-1962) benannte Neubausiedlung verfügte über Sozialarbeiter, Jugendpflegeeinrichtung, Hobbyräume, Begegnungsstätte sowie Kindergarten und galt als Vorzeigeobjekt sozialen Wohnungsbaus. Die ersten Wohnungen wurden im April 1974 bezogen. Heute leben mehr als tausend Menschen an der Heinrich-Steul-Straße. Das „Weiße Schloss“, wie die riesige Siedlung von vielen Forstfeldern genannt wird, ist fast ein eigener kleiner Stadtteil im Stadtteil. (ach)

GWG mit 8500 Wohnungen

Die GWG verfügt in Kassel über 8500 Wohnungen in 1050 Häusern und ist damit größter Vermieter in der Stadt. Knapp 1000 Wohnungen sind im Stadtteil Forstfeld gelegen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat 2014 rund 4,5 Millionen Euro und im Jahr 2015 rund fünf Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Bis 2019 will das Unternehmen insgesamt 105 Millionen Euro in den Kasseler Bestand investieren, um die Wohnungen in Schuss zu halten. Die Verschuldung beträgt 155 Millionen Euro. (ach)

 
 

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