Im Blick der Öffentlichkeit

„Wir haben anspruchsvoll gebaut!“

04.01.16
StadtZeit 71 Kassel Magazin

Den Menschen komfortablen und bezahlbaren Wohnraum bieten, das Stadtbild verschönern und dabei die regionale Wirtschaft ankurbeln – Peter Ley im Gespräch über die Modernisierungsstrategie der GWG.


KS: Herr Ley, drei Jahre läuft bereits das Projekt, bei dem das denkmalgeschützte Ensemble bestehend aus den Häusern Graben 5 bis 11 eine aufwändige Sanierung und Modernisierung erfährt. Mit welchen Zielen und Erwartungen haben Sie dieses Projekt in Angriff genommen?

PL: Wir sind hier deutlich über eine klassische energetische Sanierung und die Erneuerung der technischen Infrastruktur innerhalb der bestehenden Räumlichkeiten hinausgegangen. Unser Anspruch war es, in einem Quartier, das mit einer sehr guten Infrastruktur und seiner Nähe zur Innenstadt deutliche Standortvorteile bietet und dennoch absolut ruhiges Wohnen ermöglicht, zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen. Unter Berücksichtigung der städtebaulichen Aspekte dieser Wohnanlage der 1950er-Jahre war für uns das Wesentliche, diese Häuserzeile in ihrem Erscheinungsbild zu erhalten und sie dennoch – sowohl innen als auch außen – an die Bedürfnisse und Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen.


KS: Was erwartet die Bewohner nun in ihren alten bzw. jetzt neuen Wohnungen?

PL: Diese Häuser weisen kleine Wohnungsgrößen für ein bis zwei Personen
auf, die heute stärker denn je am Wohnungsmarkt nachgefragt werden. Innerhalb der Wohnungen haben wir die Grundrisse völlig neu gestaltet und sogenannte durchgesteckte Wohnungen kreiert. Damit bekommen wir in die Wohn-Essbereiche, Licht von Osten und von Westen. Wir haben Balkone angebaut und sehr großzügige Bäder gestaltet. Alles Dinge, denen in den Gebäuden der Wiederaufbauzeit in den 1950er-Jahren eine eher untergeordnete Bedeutung zukam. Ein besonderer Aspekt ist die barrierefreie Erschließung der Erdgeschosswohnungen. Kurzum: Wir haben hier anspruchsvoll modernisiert „Wir wollten Potenziale aufzeigen“

KS: Was bedeutet „anspruchsvoll“ für Sie genau?

PL: Wir haben viele Maßnahmen ergriffen, die man bei der Modernisierung des klassischen Mietwohnungsbaus aus Kostengründen nicht realisiert. Aber uns war es wichtig einmal beispielhaft zu zeigen, wie man ein solches Gebäudeensemble entwickeln kann und seine Potenziale aufzuzeigen. Die Fußböden sind mit Parkett ausgestattet, es gibt eine Fußbodenheizung sowie einen erhöhten Schallschutz, der beinahe heutigen Neubauanforderungen entspricht. Durch das Freilegen der historischen Stahlbetonrippendecken haben wir die Räumlichkeiten optisch erhöht.

KS: Nun ist es so, dass die GWG Wohnungen auch für Menschen mit geringerem Einkommen anbietet. Sie haben von Parkettboden, Fußbodenheizung, neuen Balkonen und weiteren Besonderheiten gesprochen. Was bedeutet das für die Menschen, die in diesen Wohnungen leben? Sie können sich diese Wohnungen weiterhin leisten?


PL: Dass gerade unsere langjährigen Kunden nicht aus ihrem angestammten Wohnquartier verdrängt werden, ist im Rahmen einer solchen Modernisierungsmaßnahme für uns ein wichtiger Aspekt. Konkret: 85 Prozent unserer alten Kunden wohnen wieder in den neuen Wohnungen. Mitentscheidend war dabei auch die Tatsache, dass wir unseren Bestandskunden eine günstigere Miete angeboten haben als unseren Neukunden. Darüber hinaus erfolgt durch die energetische Sanierung eine Einsparung bei den Nebenkosten, so dass sich mit dem Umbau verbundene Mieterhöhungen nahezu kompensieren.

KS: Darf eine Wohnungsbaugesellschaft unterschiedliche Preise festsetzen?

PL: Man darf es nicht nur, sondern ich halte es auch für geboten, auf diese Weise mit seinen Kunden umzugehen. Es sind nicht die einkommensstärksten Haushalte, die bei uns leben. Häufig sind es ältere Menschen mit kleinen Renten, die seit 20, 30, 40 und mehr Jahren unsere Mieter sind. Diese Menschen wollen wir in unseren Quartieren halten. Deswegen ist es wichtig, auf die finanziellen Möglichkeiten unserer Kunden einzugehen.

„Unsere Wohnungen kommen ins Rentenalter“

KS: Die Modernisierungsmaßnahme war quasi eine Operation am offenen Herzen. Wie haben Sie diese umgesetzt?


PL: Schon zwei Jahre im Voraus haben wir mit unseren Kunden gesprochen,
ihnen unser Vorhaben präsentiert und einen Zeitplan aufgestellt. Dass die Umsetzung einer so komplexen Maßnahme nur im unbewohnten Zustand möglicht ist, war sofort klar – auch mit Blick auf das Alter der Bewohner. Für einen Zeitraum von fünf bis sechs Monaten haben die Bewohner also ihre Wohnungen verlassen. Dafür stellte die GWG eine entsprechende Ersatzwohnung im Quartier zur Verfügung, in die die betroffenen Bewohner mit Hab und Gut umzogen. Anschließend konnten sie entscheiden, in ihre alte Wohnung zurück zu ziehen oder in eine andere Wohnung innerhalb der Häuserzeile zu wechseln. Mieter, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sind meist ins Erdgeschoss gezogen und haben dort jetzt eine barrierefreie Wohnung.


KS: Das Projekt Graben 5 bis 11 ist in die Modernisierungsstrategie der GWG eingebunden. Gibt es in diesem Rahmen in naher Zukunft weitere geplante Modernisierungsmaßnahmen?


PL: Für dieses Projekt haben wir für den Umbau insgesamt vier Jahre vorgesehen. Das letzte Haus wird nächstes Jahr fertig gestellt, parallel kommt dann noch die Gestaltung der Außenanlagen hinzu. Anschließend schauen wir, wie wir in dieser Richtung weiterarbeiten. Der Wohnungsbestand der GWG besteht zurzeit aus etwa 8500 Wohnungen, rund 50 Prozent davon sind in den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden. Diese kommen jetzt in großer Zahl ins „Rentenalter“. Gerade die energetische Ertüchtigung ist unser primäres Ziel, was sich auch bei unseren Investitionen abbildet. Haben wir vor 10 Jahren rund 10 Millionen Euro in unseren Wohnungsbestand investiert, sind es zwischenzeitlich 23 Millionen, die wir jedes Jahr in unsere Wohnungsbestände investieren – und das mit steigender Tendenz und steigendem Erfolg.


KS: Können Sie die „steigende Tendenz“ in Zahlen definieren?

PL: Seit über drei Jahren investieren wir intensiv in unseren Wohnungsbestand. Wir haben einen Fünf-Jahres-Plan und dazu ein 110-Millionen-Euro-Programm, welches wir jährlich aufstocken. Das kann man bereits im Kasseler Stadtbild sehen. Unsere Bestände Am Osterberg/Auf der Wiedigsbreite im Stadtteil Jungfernkopf, in der Wilhelmshöher Allee,in Philipinnenhof sind saniert, die Heinrich-Steul-Siedlung in Forstfeld ist ein laufendes Projekt mit mehreren Bauabschnitten, dieses Jahr beginnen wir mit ersten Baumaßnahmen in der Breslauer Straße in Waldau. Das sind große Herausforderungen für eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, aber die Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbestandes sind definitiv die richtige Entscheidung. „87% der Investitionen bleiben in der Region“.

KS: Sie haben in der näheren Zukunft viel vor. Werden Sie dabei, wie auch schon bei den vergangenen Projekten, mit den Fachfirmen aus der Region zusammenarbeiten? Kann man in diesem Zusammenhang womöglich sogar von einem kleinen Förderprogramm für das lokale und regionale Handwerk sprechen?

PL: Zweifelsohne. Wir sind als GWG in der glücklichen Lage, dass wir bei der Vergabe von Aufträgen frei entscheiden können, mit wem wir zusammenarbeiten wollen. Rund 85 Prozent unseres Investitionsvolumens gehen an Firmen aus Kassel und der Region. Das ist uns ganz wichtig, weil viele Mitarbeiter dieser Firmen oder deren Angehörige bei uns wohnen. Es dient also letztendlich auch unseren Kunden und dem Abbau der Arbeitslosigkeit in unserer Region. Gerade bei den Handwerker-Leistungen ist für uns nicht der Preis das allein entscheidende Kriterium, sondern vor allem die abgelieferte Qualität.


KS: Spiegelt sich das in den Rückmeldungen ihrer Mieter wieder?


PL: Ja. Ein einhelliger Tenor ist, dass die neuen Wohnräume wärmer, komfortabler und heller sind. Und mit der handwerklichen Umsetzung der Baumaßnahmen sind unsere Kunden sehr zufrieden.


Peter Ley ist der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG). Mit 8500 Wohnungen ist die GWG der größte Anbieter von Wohnraum in der Fuldastadt.

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