Im Blick der Öffentlichkeit

Der Vermieter hat die freie Wahl

06.02.16
HNA

 

Standen Rede und Antwort: (von links) Kassels Sozialdezernent Christian Geselle, Peter Ley (GWG), Hodal Mohamed (Frauentreff Brückenhof), Sozialamtsleiterin Ute Pähns, Wolfram Kieselbach (Haus & Grund) und Meinolf Schaefers (Caritas). Moderiert wurde die Veranstaltung von HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden (nicht im Bild). Foto: Schachtschneider

Fragen & Antworten zum Thema Wohnungen für Flüchtlinge

Das Thema
Für die vielen Flüchtlinge, die nach Kassel kommen, werden dringend Wohnungen gebraucht. 80 Besucher kamen am Donnerstag zu einer Info-Veranstaltung, zu der die Stadt eingeladen hatte. Wir fassen die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

? Welche Flüchtlinge dürfen überhaupt in Wohnungen ziehen?

! Grundsätzlich gilt: Wenn das Asylverfahren entschieden ist und ein Bleiberecht besteht, dürfen Flüchtlinge aus den Gemeinschaftsunterkünften in Wohnungen ziehen. Flüchtlinge aus Ländern, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit
ein Bleiberecht erteilt wird, dürfen auch schon während des Asylverfahrens umziehen. Derzeit trifft das für die Länder Syrien, Eritrea, Iran und Irak zu.

? Wie viele Flüchtlinge leben in Kassel schon in Wohnungen?

! Die Stadt Kassel ist aktuell für etwa 1900 Asylbewerber zuständig. 1400 davon sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. 500 leben in normalen Wohnungen. In den Gemeinschaftsunterkünften sind aber mehr als 200 Menschen,
die eigentlich in Wohnungen ziehen dürften. Dass sie dies möglichst schnell auch tun können ist wichtig, damit in den Wohnheimen Platz für neu ankommende Flüchtlinge frei wird. Sonst muss die Stadt noch mehr der Großunterkünfte
schaffen als ohnehin nötig. Für 2016 rechnet die Stadt mit etwa 3000 neuen Flüchtlingen.

? Welche Wohnungen kommen für Flüchtlinge infrage?

! Gesucht werden sowohl kleine als auch größere Wohnungen. Voraussetzung
ist, dass die Größe und die Höhe der Miete die geltenden Obergrenzen für Sozialhilfeempfänger nicht überschreiten. Für eine Person liegt die maximale Wohnfläche beispielsweise bei 50 Quadratmetern, die Miete (inklusive Kalt-
Nebenkosten) bei 373 Euro. Bei vier Personen sind es 87 m² und 639 Euro.

? Was muss ich tun, wenn ich an Flüchtlinge vermieten will?


! Privatvermieter wenden sich an die Wohnungskoordinatorin Janina Haupt von der Caritas. Sie nimmt Angebote entgegen und sucht nach passenden Bewohnern. In der Regel versuche sie auch beim Besichtigungstermin dabei zu sein, sagte Haupt. Sollte es zu Problemen kommen, steht sie als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

? Wer wird Vertragspartner beim Abschluss eines Mietvertrags?

! Der Vertrag wird mit dem Mieter, also dem Flüchtling / den Flüchtlingen, abgeschlossen. Das Sozialamt übernimmt die Kaution und kann auf Wunsch die Miete auch direkt an den Vermieter überweisen. Bei anerkannten Flüchtlingen
übernimmt das Jobcenter die Miete.

? Kann der Vermieter sich aussuchen, wer einzieht oder bekommt er den / die Mieter zugewiesen? ! Natürlich hat der Vermieter die freie Wahl, wen er in seine Wohnung nimmt, sagte Sozialamtsleiterin Ute Pähns. Wie bei einem normalen
Mietverhältnis lernen Flüchtling und Vermieter sich kennen und entscheiden dann, ob es passt.


? Wer kümmert sich um die Einrichtung?

! Die Flüchtlinge bekommen auf Antrag eine Pauschale, von der sie die Einrichtung
selbst kaufen können. Die Summe ist so bemessen, dass eine Vollausstattung mit Gebrauchtmöbeln möglich ist. Wenn eine Küche oder andere Möbelstücke vorhanden sind, wird die Summe entsprechend reduziert.


? Wie ist es mit den Nebenkosten für Strom, Gas und Wasser?

! Auch hier gibt es Grenzwerte, die je nach Wohnung und Anzahl der Bewohner kalkuliert werden. „In der Regel kommen alle Familien damit hin“, sagt Janina Haupt, Wohnungskoordinatorin bei der Caritas. Sollten die Höchstsätze überschritten werden, wird das in der Regel einmalig übernommen und entsprechend auf den Mieter eingewirkt, seinen Verbrauch zu reduzieren. Im Falle des Falles, dass der Vermieter auf Kosten sitzen zu bleiben droht, hat er die Kaution als finanzielle Absicherung, so Wolfram Kieselbach vom Eigentümerverband Haus & Grund.

 

? Man hört oft, dass Flüchtlinge einfach weiterziehen. Muss ich mir als Vermieter Sorgen machen, dass meine Mieter plötzlich weg sind?

! Wer in eine Wohnung zieht, hat auch vor zu bleiben, sagt SozialamtsleiterinPähns. Dass Flüchtlinge aus Wohnungen einfach verschwunden sind, sei noch nicht vorgekommen.

? Kann man eine Wohnung als Flüchtlings-WG vermieten?


! Ja, das kann eine gute Möglichkeit sein, um alleinstehende Flüchtlinge in privatem Wohnraum unterzubringen – denn kleine Wohnungen sind Mangelware in Kassel. Bei einer Vier-Personen-Wohnung wird dann ein Mietvertrag zwischen dem Vermieter und vier Mietern abgeschlossen.

? Kann ich meine Immobilie auch als Gemeinschaftunterkunft zur Verfügung stellen?

! Ja, dafür eignen sich Mehrfamilienhäuser oder kleine Pensionen mit einer Kapazität von 15 bis 30 Personen. In diesem Fall muss der Vermieter die Räume voll ausstatten, alle Nebenkosten tragen und ist zugleich Hausmeister und Ansprechpartner für die Flüchtlinge. Dafür gibt es auch mehr Geld von der Stadt: 10 bis 14 Euro täglich pro Person – jenachdem wie hoch der Aufwand für die Herrichtung der Unterkunft ist.

? Wie sorgt die Stadt dafür, dass die Flüchtlinge sich nicht alle in einem Stadtteil ballen?

 

! Das hat sie nur begrenzt in der Hand. Wünschenswert sei eine gleichmäßige Verteilung über das gesamte Stadtgebiet, sodass Stadtteile mit ohnehin hohem Ausländeranteil nicht zu Ballungsgebieten werden, sagte Sozialdezernent Christian Geselle. Bei der Schaffung von Gemeinschaftsunterkünften ist der Druckaber inzwischen so groß, dass man es sich nicht leisten könne, Stadtteile außen vor zu lassen. Bei der Vermittlung in Wohnungen sei man für eine „gesunde Durchmischung“ auf die Bereitschaft der Vermieter angewiesen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. (rud)


Janina
Haupt

Kontakt für Wohnungen: Janina Haupt, Caritas, Tel. 0561/81642719,
EMail: janina.haupt@caritas-kassel.de

für Gemeinschaftsunterkünfte: Marco Henkel, Sozialamt Stadt Kassel, Tel. 0561/787-5118, EMail: marco.henkel@kassel.de

 
 

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