Im Blick der Öffentlichkeit

40 Jahre Heinrich-Steul-Siedlung

01.10.14
Quelle: K-östlich 10/11/2014

Neues von anno dazumal

40 Jahre Heinrich-Steul-Siedlung

Am 1. April 1974 wurden die ersten Wohnungen in den neuen Häusern der Heinrich-Steul-Straße bezogen, die damals noch „Forstbachweg 16 - neue Häuser" hieß. Bis 1911 war hier ein militärisches Übungsgelände mit einem 80 m breiten Kanonenkugelfang am heutigen Togoplatz, danach war es Lagerstätte für Pulver der Munitionsfabrik, später baute hier die Firma Junkers (Flugmotorenwerke) 1940 28 Steinbaracken für ihre Mitarbeiter, die sich dann zu Unterkünften für Fremdarbeiter bzw. Zwangsarbeitern entwickelten. Eine Vorläufer-Organisation der UNESCO übernahm 1945 dieses „Junkerslager'1 dann als „Junkerscamp", um hier die in Deutschland lebenden entwurzelten Menschen aus Lettland und Estland zu sammeln, um sie schnell in ihre Heimat abzuschieben, wogegen sich die Betroffenen mit Erfolg bis 1949 wehrten. Im Volksmund hieß dieses Lager darum „Lettenlager". Danach waren diese 68 qm großen Steinbarackenwohnungen nachgefragter Wohnraum mit einem kleinen Einkaufzentrum und einer Gaststätte, welche später zum Haus Forstbachweg wurde.

                 


Ab Ende der 50er Jahre wurden hier immer mehr kinderreiche Eltern (mit bis zu 13 Kindern) untergebracht, schließlich verwahrloste das Lager mit seinen 100 Erwachsenen und 300 Kindern, so dass es abgerissen wurde, die letzte Baracke am 09.10.1973. Das war aber nicht die Geburtsstunde des „Weißen Schlosses" (auch „Lindwurmsiedlung"  oder „Legohäuser" genannt), heute eine Wohnanlage der GWG mit ca. 450 Wohnungen.


Nach einem Architektenwettbewerb begannen bereits 1972 die Planungen,
1973  die Bauarbeiten und am 1. April 1974  zogen die ersten Mieter ein. Die Häuser wurden konventionell Stein auf Stein gebaut, was man jetzt bei der Modernisierung überprüfen kann. Es gab Wohnungen mit zwei, drei und vier Zimmern. Der zweite Bauabschnitt wurde am 15. Okt. 1974 fertiggestellt, mit dem dritten Abschnitt ließ man sich mehr Zeit, so dass er erst am 24.02.1976 bezugsfertig wurde. Insgesamt kostete die Anlage fast 32 Millionen DM. Die 42 Garagen entstanden später im Jahr 1995.

Zur Versorgung der 1.000 hier wohnenden Menschen galt es, die erforderliche Infrastruktur zu schaffen. Am Eibenweg entstand ein Versorgungszentrum mit Supermarkt, Arzt- und Zahnarztpraxis, Sparkassenfiliale und einer Apothe-
ke. Die Post war gleich daneben. Einen großen Konsum-Supermarkt, später SPAR, heute Getränkemarkt, gab es bereits an der Ochshäuser Straße. Im nachträglich ausgebauten Keller des „Haus Forstbachweg" entstanden nun Räume für Forstfelder und Bettenhäuser Vereine.

Daneben wurden eine Kindertagesstätte und ein Hort errichtet. Die Bahn (früher Söhrebahn) fuhr bis in die 80er Jahre mit ihren Dieselloks sehr dicht an den westlichen Häusern vorbei. Dort, wo heute das Haus Forstbachweg steht, war früher die Haltestelle „Eisenhammer" der Söhrebahn. Der damalige Geschäftsführer der GWG, Habermehl, erklärte damals: „Wir glauben, dass wir mit der Verwirklichung dieses Bauvorhabens, das in herkömmlicher, somit nicht fabrikmäßig vorgefertigter Bauweise, ausgeführt wurde, den gegenwärtig erreichbaren Wohnstandard im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus verwirklicht haben." Und so war es auch, Hannelore Diederich zum 20jährigen Jubiläum 1994: Wenn Menschen diese Hochhaussiedlung sähen, ständen sie dieser zunächst kritisch gegenüber, sähen sie aber die Wohnungen mit den großen Baikonen, wären sie sofort positiv überrascht. Dadurch, dass die Häuser verschachtelt gebaut seien, könnte niemand dem anderen auf den Balkon gucken. Die Vermieterin (GWG) lasse den Menschen viel persönlichen Freiraum, jeder könne den Balkon nach eigenem Geschmack gestalten.

Probleme gab es nach einiger Zeit mit dem Lärm der Kinder, die hier geboren worden waren. Die GWG passte daraufhin das Spiel- und Bolzangebot dem veränderten Bedarf rasch an. Die Architektur war einfach gelungen, das gilt auch noch heute, obwohl das „Legoschloss" jetzt in die Jahre gekommen ist.
Bis 2019 soll die gesamte Wohnanlage vollkommen renoviert und modernisiert werden. Der Chef der GWG, Peter Ley, schilderte mir, wie wir wieder zu einem neuen „Weißen Schloss" kommen werden: Bereits im Sommer 2013 wurde mit umfassenden Arbeiten begonnen. Schwerpunkte der Maßnahmen sind die Wärmedämmung und die Optimierung der Heizung, unterstützt durch  Solaranlagen. Damit sollen bis zu 60 % der Heizkosten eingespart werden.
Innerhalb der Wohnungen werden die Bäder neu gestaltet. Was ich besonders gut finde, dass alle Wohnungen barrierefrei zugänglich sein werden. Die Aufzüge fahren dann bis in den Keller und halten vor den Wohnungen, nicht mehr im Halbstock.  Um schnell ins „Grüne" zu kommen, erhalten die Häuser auch von hinten einen Eingang.


„Mit Abschluss der Arbeiten wird die Wohnanlage wieder den heutigen und künftigen Ansprüchen an Wohnen gerecht. Ihr Erscheinungsbild wird zeitgemäß modern, gepflegt und sauber sein, und das zu bezahlbaren Mieten. Auch Kassel - östlich der Fulda nach der Mietanpassung liegen die Mieten grundsätzlich unterhalb der Obergrenzen für den Unterkunftsbedarf der Stadt Kassel, sodass kein Kunde aus Kostengründen aufgrund der Modernisierungsmaßnahmen seine Wohnung verlassen muss", so Peter Ley, Geschäftsführer der GWG.


Besonders erfreulich ist, dass die GWG im Haus Heinrich-Steul-Str. 9 einen neuen Stadtteiltreff mit einer Fläche von rund 150 Quadratmetern errichtet. Der beliebte Treffpunkt zieht aus der Steinigkstraße 23 in die neuen Räume in der Steul-Siedlung und wird weiterhin von piano e.V. betrieben. Im Rahmen des Projekts „Leben im Quartier - Wohnen für Generationen" entstehen im Haus Nr. 9 sechs Pflegedienstwohnungen für Kranke und Pflegebedürftige, die von den Diakoniestationen betreut werden.


Die GWG wird bis 2019 in der HeinrichSteul-Siedlung 30 Millionen Euro investieren. Äußerlich werden die Häuser in weiß erstrahlen ohne die jetzt noch vorhandenen Verkleidungsplatten. Freuen wir uns in Forstfeld auf ein neues „Weißes Schloss".

Mehr dazu: www.erinnerungen-im-netz.de und www.kassel-forstfeld.de
Falk Urlen


 
 

Public Relations

Peter Ley

Geschäftsführer

Ansprechpartner

Petra Leithäuser

+49 (0)561 70 00 1 - 104

Kontakt

Anschrift

Neue Fahrt 2
34117 Kassel