Im Blick der Öffentlichkeit

Umbau für zeitgemäßes Wohnen

27.09.13
Quelle: HNA

Ältere Mieter empfinden Modernisierung der GWG-Wohnungen und vorübergehenden Auszug als Belastung

Von Mirko Konrad

KASSEL. Moderne Bäder, großzügige Grundrisse, barrierefreie Wohnungszugänge, Terrassen- und Balkonanbau, bodentiefe Fenster, Parkett und Fußbodenheizung – viele Mieter der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG) werden sich darüber freuen. Der 80jährigen Dora Ködding bereitet der Gedanke an den Umbau allerdings schlaflose Nächte. Vor allem deswegen, weil sie vorübergehend aus ihrer Wohnung ausziehen muss. Seit 1970 wohnt sie im Haus Am Graben 9. Ihre Küche hat sie extra von einem Schreiner einbauen lassen. Jetzt wird die Wohnung komplett umgestaltet. „Ich weiß nicht,   ob die Küche und die Möbel hinterher noch passen“, sagt sie.

Laut GWG sollen dort Komfortwohnungen entstehen. Die Wohnungen sind durchschnittlich 64 Quadratmeter groß, haben kleine Räume und Bäder. „Sie sind nicht mehr zeitgemäß für heutige Ansprüche und zukünftiges Wohnen“, sagt GWG-Geschäftsführer Peter Ley. Auch der Innenhof soll umgestaltet werden. „Es muss etwas gemacht werden, weil die Häuser alt sind“, sagt Erna Melnarowicz (71). Den Umfang mit einem vorübergehenden Auszug hält sie aber für unnötig: Auch die Schwiegereltern von Bodo Kohlus – sie sind 80 und 85 Jahre alt - wohnen seit 13 Jahren dort.

Belastung für alte Menschen

„Für Menschen in diesem Alter ist ein Umzug eine enorme Belastung“, sagt Kohlus. Sie wüssten noch nicht einmal, wo sie zwischenzeitlich untergebracht werden sollten. In ihrer Wohnung fühlten sie sich wohl, und jetzt solle alles umgestaltet werden. „Meine Schwiegereltern haben damit große Probleme“, sagt er.

Die GWG will bis 2017 ihren Bestand modernisieren. Das größte Projekt wird die Heinrich-Steul-Siedlung im Stadtteil Forstfeld sein. Dort sollen 30 Millionen Euro investiert werden. Weitere Investitionsschwerpunkte sind Wohnungen an der Straße „Kurze Erlen“ mit 8,5 Millionen Euro, an der Breslauer Straße mit fünf Millionen Euro und an der Mommenröder Straße mit 3,6 Millionen Euro.

Laut Ley werden 30 Millionen Euro des insgesamt 103 bis 105 Millionen teuren Modernisierungsprogramms über zinsgünstige Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau finanziert. Den größeren Rest stemme die GWG selbst. „Uns war es wichtig, die GWG für dieses Projekt nicht neu zu verschulden“, sagt der Geschäftsführer. Im Jahr 2012 investierte die GWG 17,7 Millionen Euro in ihren Bestand, 2011 waren es 14,8 Millionen Euro und im Jahr 2010 insgesamt 14,3 Millionen.

 
 

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